Lydia Bloch

Drei Personen sitzen an einem Tisch im Freien, der mit einem Tuch gedeckt ist. Ein Mann in einem Anzug und Hut lächelt, neben ihm eine Frau mit einem Hut und Blumenmuster-Kleid. Eine jüngere Mädchen sitzt ebenfalls am Tisch, mit Tassen und Tellern vor sich.
© Archiv STOLPERSTEINE in FREIBURG, Marlis Meckel
Drei Jahre vor der Deportation: Familie Bloch im Jahre 1937 an der Talstation der Freiburger Schauinslandbahn

Lydia Bloch (*1899) lebte bis 1940 gemeinsam mit ihrem Mann Meier Friedrich Bloch (*1888) und ihrer Tochter Gertrude „Trude“ Bloch (*1923) in der Eschholzstraße 84 im Stadtteil Stühlinger. Ihr Mann betrieb dort in der Breisacher Straße 15, der heutigen Colmarer Straße 8, eine Bäckerei. Nach der Machtübertragung an die Nationalsozialisten 1933 entschieden sich die Eheleute Bloch bewusst gegen eine mögliche Emigration, da sie ihre Heimat Freiburg nicht verlassen wollten.

Die Nichte der Blochs, Renate Haberer-Krauss, beschreibt ihre Tante Lydia folgendermaßen:

“Lydia Bloch – sie war die älteste Schwester meines Vaters – hatte rötlichblonde Haare, große blaue Augen und ein nettes Gesicht. Sie war ungefähr 1,65 Meter groß und ein bisschen pummelig. Sie hatte eine besonders schöne Haut, sie brauchte keine Brille, war sehr freundlich, sehr energisch, sehr temperamentvoll, sehr hilfsbereit, sehr klug, sehr geschickt und sehr beliebt. Sie war eine wunderbare Köchin und Konditorin. Sie war sehr gastfreundlich und sehr großzügig. […] Mein Papa hätte sie aus dem Lager bringen können, aber nicht Onkel Friedrich, so ging sie mit ihrem Mann in den sicheren Tod.”

Renate Haberer-Krauss, Marlis Meckel: Den Opfern ihre Namen zurückgeben: Stolpersteine in Freiburg, Freiburg/Berlin 2006, S. 47f.

Am 22./23. Oktober 1940 wurde die Familie in Freiburg verhaftet und ins Lager Gurs am Nordrand der Pyrenäen deportiert. 1941 erfolgte die Weiterdeportation in das südfranzösische Lager Rivesaltes, etwa 350 km östlich von Gurs gelegen. Von dort aus wurden Lydia Bloch und ihr Mann am 2. August 1942 zunächst in das Lager Drancy, und am 14. August 1942 weiter ins KZ Auschwitz-Birkenau deportiert, wo sie in den Gaskammern ermordet wurden. Lydia Bloch wurde 43 Jahre alt.

Das Bild zeigt ein offizielles Dokument der französischen Regierung aus dem Jahr 1950. Es enthält Text und Stempel, die eine Bestätigung für eine Person namens Lydia Hugh betreffen. Die Informationen sind in Französisch verfasst und beinhalten Details zur Identität der Person sowie behördliche Bestätigungen.
© Landesarchiv Baden-Württemberg, Staatsarchiv Freiburg G 540/5 773 Nr. 35
„Attestation“ des „Chef du Bureau des Fichiers et de l’Etat-Civil-Déportés“ über die Deportation nach Drancy

Diese im Juni 1950 in Paris ausgestellte Bescheinigung dokumentiert Lydia Blochs Deportation vom Lager Rivesaltes über Drancy in Richtung Osten im August 1942. Bei dem „Bureau des Fichiers et de l’Etat-Civil-Déportés“ handelte es sich um eine französische Einrichtung, die nach dem Ende des Krieges mit der Erfassung der Deportierten betraut war.

Ihre Tochter, Trude Bloch, konnte von Helfer*innen der Organisation „Œuvre de secours aux enfants“ (OSE) aus dem Lager Rivesaltes gerettet werden. Sie überlebte den Krieg und die Shoah mithilfe der protestantischen Frauenorganisation CIMADE versteckt an verschiedenen Orten in Frankreich und emigrierte 1946 in die USA.

Ein offizielles Schreiben der Israeliten Baden, datiert auf den 21. Juni 1950. Es beinhaltet Informationen zu einem Anliegen bezüglich Friedrich Bloch und Lydia Bloch. Das Dokument ist gestempelt und enthält handschriftliche Notizen, sowie den Namen und Titel der Unterzeichner.
© Landesarchiv Baden-Württemberg, Staatsarchiv Freiburg G 540/5 773 Nr. 27
Schreiben von Nathan Rosenberger an das Amtsgericht Freiburg bzgl. des Schicksals der Eheleute Bloch

Im Juni 1950 teilte Nathan Rosenberger, der Vorsitzende der wiedergegründeten jüdischen Gemeinde in Freiburg, dem Amtsgericht Freiburg auf Nachfrage mit, dass nach den vorliegenden Informationen sowohl Lydia Bloch als auch ihr Mann Meier Friedrich im Oktober 1940 ins Lager Gurs und später in ein „Lager des Ostens“ deportiert worden seien.

Im Januar 1951 wurden die Eheleute Bloch durch das Amtsgericht Freiburg offiziell für Tod erklärt. Als Zeitpunkt ihres Todes wurde der Tag ihrer Deportation von Drancy nach Osten eingetragen: der 14. August 1942, 24 Uhr.

Zwei Stolpersteine im Boden erinnern an Friedrich Bloch und Lydia Bloch. Friedrich wurde 1938 nach Dachau deportiert und 1942 in Auschwitz ermordet. Lydia wurde 1940 deportiert und 1942 für tot erklärt. Beide stammten aus Gurs.
© Foto von Caroline Klemm, 2021
Auf Initiative von Marlis Meckel wurden im Jahre 2003 für Lydia und Meier Friedrich Bloch zwei „STOLPERSTEINE“ in der heutigen Colmarer Straße 8 verlegt, wo sich die Bäckerei der Familie befand.