Zentrale Planungen

Das Vorgehen des NS-Regimes gegen Menschen mit Behinderungen oder Krankheiten, gegen Sinti*zze und Rom*nja sowie Jüdinnen und Juden radikalisierte sich im Laufe des Krieges.

In den besetzten Teilen der Sowjetunion ermordeten SS-Männer, Polizisten und lokale Freiwillige unter dem Schutz und teilweise mit aktiver Hilfe der Wehrmacht Hunderttausende Zivilist*innen. Im Dezember 1941 befahl Hitler die systematische Ermordung aller Jüdinnen und Juden im deutschen Herrschaftsbereich. Wenig später wurden die Mordpläne zur „Endlösung der Judenfrage“ auf der Wannsee-Konferenz konkretisiert. Der Massenmord wurde zum Verwaltungsakt.

Ein Artikel aus der "Badischen Presse" beschreibt das Leben von Flüchtlingen in Frankreich. Er thematisiert die Herausforderungen und Lebensbedingungen der Betroffenen und vermittelt einen Eindruck von der Not ihrer Situation. Datum und Redaktion werden ebenfalls erwähnt.
© Badische Landesbibliothek, CC-BY-4.0
„So sieht das ‚Leben wie Gott in Frankreich‘ der landesflüchtigen Verräter aus.“, 14.2.1941, Badische Presse

Über die Deportation nach Gurs wurde nicht berichtet. Mitte Februar 1941 reagierte die Badische Presse aber auf den Bericht einer Schweizer Zeitung über die Zustände im Lager Gurs. Sie diffamierte die Deportierten als „Landesverräter “ und kommentierte zynisch die Einschätzung, dass in „ungefähr zwei Jahren das halbe Lager ausgestorben“ sei, wenn sich die Bedingungen nicht änderten.

Ursprünglich ein bürgerliches Blatt, war die Badische Presse in Karlsruhe mit einer Auflage von rund 35.000 Exemplaren von der NSDAP-eigenen Zeitungsgesellschaft übernommen und auf NS-Parteilinie gebracht worden.

Eine Tabelle mit verschiedenen Ländern und ihren jeweiligen Zahlen. Die Liste umfasst Länder wie Österreich, Deutschland, Ungarn und die USA. Die Gesamtzahl am Ende beträgt über 11 Millionen.
© Politisches Archiv, Auswärtiges Amt, RZ 214, R 100857, Bl. 171
Protokoll der Staatssekretärsbesprechung vom 20.1.1942

Auf der sogenannten Wannsee-Konferenz verkündete Reinhard Heydrich am 20. Januar 1942, dass er beauftragt sei, den Mord an den Jüdinnen und Juden Europas zu koordinieren. Als Zielvorgabe erhielten die anwesenden 15 Vertreter aus Ministerien, Besatzungsverwaltung und SS diese Liste als Tischvorlage. Mit scheinbarer Präzision waren hier die Zahlen aller noch lebenden Jüdinnen und Juden verzeichnet. Der Völkermord war längst Tatbestand, Estland bereits als „judenfrei“ aufgeführt. Die Zahl für Frankreichs „unbesetztes Gebiet“ beinhaltete in jedem Fall die in den Lagern in Südfrankreich lebenden Jüdinnen und Juden und auch die jüdische Bevölkerung der französischen Gebiete Nordafrikas.

In einem Büro schütteln sich zwei Männer die Hände. Einer trägt einen Anzug, der andere eine Militäruniform. Im Hintergrund stehen zwei weitere Männer. An der Wand hängt ein Porträt. Ein Telefon steht auf dem Tisch.
© Journal Les Actualités mondiales, ©INA
Standbild aus der französischen Wochenschau vom 22.5.1942

Nach einem Besuch in Den Haag reiste Reinhard Heydrich (mittig, in Uniform) im Mai 1942 auch nach Paris, um die Deportationen vorzubereiten und den Höheren SS- und Polizeiführer Carl Oberg (rechts) in sein Amt einzuführen. Wie die französische Wochenschau berichtete, traf sich „Monsieur Heydrich“ unter einem Bild Hitlers auch mit dem Generalsekretär der Polizei von Vichy René Bousquet (links). Oberg und Bousquet spielten eine zentrale Rolle bei den Deportationen.
 

Zusammenstellung von jüdischen Personen, die am 26. Juni 1942 im Generalgouvernement erfasst wurden. Die Liste enthält Namen, Geburtsdaten, Berufe und Wohnorte der Personen. Die Schrift ist alt und die Seite weist eine gelbliche Verfärbung auf.
© Landesarchiv Speyer, T 104, Nr. 673
Liste der Deportationen aus der Pfalz, 1942

Auf Grundlage akribisch erstellter Namenslisten begannen im Oktober 1941 die systematischen Deportationen aus dem ganzen Deutschen Reich. Ziele waren zunächst Ghettos im besetzten Osteuropa. Dort kamen viele Jüdinnen und Juden in Folge der fürchterlichen Zustände ums Leben. Immer häufiger wurden die Deportierten aber auch direkt nach der Ankunft ermordet. Im April 1942 wurden fast alle verbliebenen Jüdinnen und Juden aus der Pfalz, dem Saargebiet und aus Baden über Stuttgart in das Ghetto Izbica in der Nähe von Lublin verschleppt. Dort verlieren sich ihre Spuren. Niemand überlebte.