Die Deportation und ihre Folgen
Zwar wurden die Verhaftungen häufig fotografiert, vom Einstieg in die Züge sind jedoch keine Bilder überliefert. Überlebende erwähnen „alte französische Wagen“.
Wahrscheinlich wurden sieben Züge aus Baden in Freiburg zusammengeführt. Von hier fuhren sie über die Rheinbrücke bei Breisach nach Mulhouse und von dort über Belfort und Dijon. Hier trafen sie auf die beiden Züge aus dem Gau Saarpfalz, die über den Grenzort Forbach gekommen waren. In Forbach stiegen die Deportierten aus dem Saarland zu, die zuvor im grenznahen Saarbrücken zusammengezogen worden waren. Bei Chalon-sur-Saône passierten somit neun Züge die Grenze ins unbesetzte Frankreich und wurden über Toulouse nach Oloron-Sainte-Marie geleitet. Die Strecke betrug mehr als 1.500 Kilometer. Nach drei bis vier Tagen
kamen die Deportierten erschöpft dort an und wurden in das Lager Gurs gebracht.

Auch um den aus den Fugen geratenen Staatshaushalt zu sanieren, versuchte das NS-Regime nach den Novemberpogromen 1938 auf das Eigentum der Jüdinnen und Juden zuzugreifen, obwohl dies natürlich nicht größer war als das der nichtjüdischen Deutschen. Nach der Deportation kam es vielerorts zu einer „Schnäppchenjagd der Volksgenossen“. Das Foto stammt aus einer größeren Serie aus Lörrach, die den Andrang bei den öffentlichen Versteigerungen belegt.

Walter Wassermann, nach den Nürnberger Gesetzen als „Halbjude“ definiert, musste seit seinem 14. Lebensjahr Zwangsarbeit leisten. Im Gegensatz zu seinen jüdischen Großeltern wurde er im Oktober 1940 nicht verschleppt. Am 13. Februar 1945, drei Monate vor Kriegsende, wurde Wassermann nach Theresienstadt deportiert. Nach der Befreiung kehrte er nach Mannheim zurück. 60 Jahre später begann Wassermann über die Geschichte seiner Familie Zeugnis abzulegen. Er starb 2014.